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Nov
14

Saarbrücker Zeitung am 12. November 2011 

„Wir brauchen eine andere Debattenkultur“

Blaschke schreibt über Rechtsextreme im Sport – Am Dienstag liest er in Saarbrücken aus seinem Buch vor

Rechte sind im Fußball scheinbar auf dem Rückzug. Doch nur scheinbar. Ronny Blaschke widmet sich in seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen“ den Formen rechter Einflussnahme und fordert einen neuen Umgang.

Saarbrücken. „Sport ist nie unpolitisch.“ Darauf besteht Ronny Blaschke. Der Sportjournalist ist gerade mit seinem dritten Buch auf Lese-Reise durch Deutschland. „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ heißt es. Dass dieser Sport, der sich gerne als Lebenswelt fern allen Politischen darstellt, alles andere als das ist – darum geht es Blaschke, darum ging es schon in seinen ersten beiden Büchern „Im Schatten des Spiels“ über Rassismus und Gewalt im Fußball und „Versteck Spieler“ über den schwulen Fußballer Marcus Urban. Es sind die vermeintlichen Rand-Aspekte, die ihn interessieren. „Man darf das nicht auf den Hitlergruß verengen“, sagt Blaschke.

Das Politische im Sport und gerade im Fußball mit seinen wöchentlichen Massenveranstaltungen war schon immer eine Geschichte der Abgrenzung von anderen. Schon die Grundvoraussetzung zweier gegnerischer Mannschaften, die simple Unterteilung in „Wir“ und „Die“, ist Abgrenzung. Aber entscheidend sind die Abgrenzungen, die darüber hinaus gehen, die über den sportlichen Aspekt hinweggehen. „Es geht um Homophobie, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, das Unverstandene wird abgewiesen“, erklärt Blaschke. Die Affenlaute in den Stadien mögen kaum mehr hörbar sein, „Zick-Zack-Zigeunerpack“ ist es noch immer.

Und hier finden rechte Gruppierungen immer wieder Ansatzpunkte. Sei es in kleinen Vereinen, wo es einigen Wenigen leicht fällt, die Diskussions-Hoheit an sich zu reißen, oder in größeren Vereinen, wie bei Oberligist Lokomotive Leipzig, wo die schiere Zahl der Rechten eine Einflussnahme zum Positiven kaum möglich macht. „Das passiert oft hinten herum. Da kommen nicht die klassischen NPD-Kerle, denen man es ansieht. Ich kenne ein Beispiel aus Hildburghausen, also nicht die Stadt, in der man so etwas erwartet. Es kann überall passieren“, sagt Blaschke. Und so warnt der 30-Jährige, Rechts und Gewalt leichtfertig gleichzusetzen. Die Methoden sind ausgefeilter, die Gruppen differenzierter: „Wir haben Neonazis, die Gewalt ablehnen, und Hooligans, die Rechte ablehnen. Wir tun uns keinen Gefallen, das immer gleichzusetzen.“

Und dennoch sieht sich Blaschke nicht auf verlorenem Posten. „Wir sehen, dass es funktionieren kann, dem entgegenzuwirken. Das kann aber nicht von heute auf morgen mit irgendeiner ,Task Force‘ passieren. Wir brauchen eine andere Debattenkultur. Und wir brauchen die Fan-Projekte. Das sehen wir in Stuttgart, Hamburg oder Bremen, wo frühzeitig Geld in die Projekte gesteckt wurde. In Dresden oder Leipzig ist das nicht passiert.“ Mit den bekannten Folgen. jbö

Ronny Blaschke liest am kommenden Dienstag auf Einladung der Landeszentrale für politische Bildung und der Fan-Kontaktstelle „Innwurf“ der Arbeiterwohlfahrt in den Räumlichkeiten des Fan-Projekts „Innwurf“ im Sittersweg 23 in Saarbrücken aus seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen“. Beginn ist um 19 Uhr.