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Aug
20

Mit Anwalt zum Auswärtsspiel www.fr-online.de

Nach den Erfahrungen in Jena ist der 1. FC Saarbrücken vorsichtig geworden. Die Fans warnen vor der Partie bei Dynamo Dresden die Polizei, das Fanprojekt stellt schon mal einen Anwalt bereit.

Die Stimmung war prächtig unter den Fans des 1. FC Saarbrücken. 7:0 gewann ihre Mannschaft am Mittwoch voriger Woche das Drittliga-Spiel bei Carl Zeiss Jena. Was sich nach der Partie ereignete, gefiel den Anhängern aber gar nicht mehr. Erst wurden sie von Jenaer Fans angegriffen, dann berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei, die Saarbrücker hätten sich an einer Massenschlägerei beteiligt. Für Jörg Rodenbüsch, Leiter des Saarbrücker Fanprojekts, ein klarer Fall von Verleumdung. Das müssten sich die Fans nicht bieten lassen. Zum heutigen Auswärtsspiel in Dresden nehmen sie deshalb − einen Rechtsanwalt mit.

Fußballfans fahren mit einem Anwalt zum Spiel, um hinterher nicht als Schläger dargestellt zu werden. Ein solcher Fall ist zwar nicht einmalig – auch Fans des HSV reisten schon mit Juristen – aber zumindest ungewöhnlich. Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, will kein Urteil darüber fällen, ob die Saarbrücker richtig handeln: „Es ist aber richtig, dass das Fanprojekt nach Jena nicht zur Tagesordnung übergeht.“

Was dort genau passierte, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Die Polizei berichtet in einer Pressemitteilung von „80 Jenaer Problemfans“, die auf den Saarbrücker Fanbus zugestürmt seien. Die Beamten schreiben aber auch von 70 Gästefans, die sich „mit den Jenaer Rivalen eine Schlägerei geliefert“ hätten. Mit Schlagstöcken und Reizgas sei es gelungen, die beiden Lager zu trennen.

Für Rodenbüsch ist das eine absurde Darstellung. Die 70 Saarbrücker hätten im Bus gesessen. Als die Jenaer Steine auf das Fahrzeug warfen und die ersten Scheiben splitterten, hätten sie versucht, ins Freie zu laufen. Die Polizei habe aber sofort Pfefferspray in den Bus geschossen. „Es brach Panik aus“, sagt Rodenbüsch, der selbst im Bus saß.

Sollte es in Dresden, wo die Fanszene problematisch ist, ähnliche Vorfälle geben, werde der Anwalt diese dokumentieren, sagt Rodenbüsch: „Sein Wort hat ein anderes Gewicht als meines.“ Zugleich wollen die Saarbrücker der Polizei klar machen, „dass sie unter Beobachtung steht“. Für das Fanprojekt seien die bundesweit zunehmenden Konflikte zwischen Fußball-Anhängern und der Polizei ein großes Problem. „Wir wollen den Fans zeigen, dass sie nicht alleine sind, wenn es Ärger gibt“, so Rodenbüsch.