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Jul
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Fans des 1. FC Saarbrücken gestalten Ludwigsparkstadion um

Von SZ-Mitarbeiter Patric Cordier

Auf Initiative des Fanprojekts „Innwurf“ haben sich am Freitag Anhänger des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken getroffen, um den Treppenaufgängen des Ludwigsparkstadions einen neuen Anstrich zu verpassen. (Veröffentlicht am 10.07.2012)

Saarbrücken. In der Vereinshymne des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken heißt es: „Wir sind vom FCS. Blau- Schwarz ist unser Dress.“ Seit dem vergangenen Wochenende gilt das aber nicht nur für die Spielkleidung der Mannschaft und ihrer Anhänger, sondern auch für die Spielstätte. Auf Initiative des Saarbrücker Fanprojekts „Innwurf“ haben sich etwa 20 Fans des Vereins am Freitag in dem in die Jahre gekommenen Ludwigsparkstadion eingefunden, um die Aufgänge in den Fanblocks in Vereinsfarben zu streichen. „Wir wollten das ja schon Mitte Juni angehen“, erzählte Torsten Hart vom Fanprojekt, „damals hat uns das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Am Freitag gab es dann beste Bedingungen für den Arbeitseinsatz – 25 Grad und strahlender Sonnenschein bei blauem Himmel waren fast schon zu gut. „20 Helferinnen und Helfer ist ok. Viele arbeiten ja noch, andere sind in Urlaub“, meinte Hart bei Arbeitsbeginn. Doch warum opfern die FCS-Fans an einem echten „Freibadtag“ ihre Freizeit, um in einem städtischen Stadion Treppen anzupinseln? „Das ist eine gute Frage. Darüber habe ich gar nicht nachgedacht“, sagte Katharina Schuh. Die 23-Jährige aus Stennweiler hat gerade ihre Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen. „Ich streiche einfach gerne. Und ich hatte Zeit“, sagte sie, „es ist doch wichtig, dass unser Stadion schön aussieht.“ Auch der Sulzbacher Schüler Yannis Pitz schwang eifrig den blau gefärbten Pinsel und meinte dabei: „Ein neues Design im Stadion ist doch cool. Ich helfe jetzt zwei, drei Stunden, anschließend kann ich immer noch etwas mit meinen Freunden unternehmen.“

26 Eimer blaue und sechs Eimer schwarze Farbe hatte die Stadt Saarbrücken für die Aktion des Fanprojektes im Vorfeld zur Verfügung gestellt. Da der Deutsche Fußballbund (DFB) aus Sicherheitsgründen Signalfarben für die Auf- und Abgänge in Fußballstadien vorschreibt, musste es ein besonderes Blau sein, das die Helferinnen und Helfer verarbeiteten. Die Ränder der Stufen erhielten dann den schwarzen Anstrich. Zunächst wurde aber die bisherige gelbe Farbe mit Stahlbürsten weitgehend abgekratzt. Saarbrückens Sport- und Sicherheitsdezernent Harald Schindel (Die Linke) machte sich selbst vor Ort ein Bild und sagte: „Sieht gut aus.“

Eine Meinung, die auch das FCS-Aufsichtsratsmitglied Egon Schmitt teilte. „Ich habe davon in der Saarbrücker Zeitung gelesen und finde, das ist eine tolle Aktion“, lobte der ehemalige Libero, der am Freitag zumindest moralische Unterstützung leistete, und erzählte weiter: „Besonders herausheben muss man, dass die Fans die Geschichte in Eigeninitiative angestoßen haben. Das zeigt ihre Verbindung zum Verein.“ Doch genau am Verein, an dem alle hängen, die da mitgearbeitet haben, gab es auch Kritik. „Es ist kein Wunder, wenn nicht mehr Helfer kommen, der Verein macht einfach zu wenig“, schimpfte Jörg Kivel über den 1. FC Saarbrücken. Den 42-jährigen eingeborenen „Molschder“ kennen die meisten in der Fanszene als „Dibbe“. „Früher gab es für Helfer beim Schneeräumen beispielsweise Freikarten. Heute kommt von den Herren von der Vereinsführung nicht einmal einer zum Helfen“, murrte Kivel während der Arbeit im Stadion.

Seit 1975 kommt er regelmäßig ins Ludwigsparkstadion. Yannis Pitz steht seit 2003 immer im E-Block, Katharina Schuh war 2005 erstmals im Ludwigspark, wechselte vom F-Block nun auch hinüber in den E-Block. Alle verbindet neben der Liebe zum Verein auch die Zuneigung zum Stadion. Dass die Mal-Aktion der letzte Arbeitseinsatz im alten Stadion gewesen sein könnte – sollte der Umbau denn nun wirklich Realität werden – machte einige Helfer sogar traurig. „Ich will eigentlich nicht, dass der Ludwigspark abgerissen wird“, sagte Katharina Schuh, „es ist ein tolles Stadion mit Charakter und keine kalte, verbonzte Arena.“

Darüber gehen die Meinungen sicher auseinander. Zumindest ist der Ludwigspark jetzt ein Stadion, dessen Treppenaufgänge in Blau-Schwarz erstrahlen. Passend zu den Trikots der Spieler und Fans, passend zur Vereinshymne.